MANGEL DARSTELLEN – EINE RICHTIGSTELLUNG ZUM FESTIVALAUFTAKT

Am Mittwoch dem 15. April 2015, startet die erste Ausgabe des Festivals „Hauptsache frei“. Im Vorfeld gab es in den Medien einige Ankündigungen und Interviews mit den Festivalleiterinnen Anne Schneider und Sarah Theilacker, in denen auch unsere Absage thematisiert wurde – u.a. im  NDR (http://www.soundcloud.com/hauptsache-frei/vorberichterstattung-ndr) und im Abendblatt (15.4.). Die einzelnen Argumenten für unsere Absage haben wir in unserem Blogeintrag „Hauptsache dabei? Wir können leider nicht mitspielen“ ausfühlich dargelegt. In der Berichterstattung ist dennoch fälschlicherweise der Grund für den Rückzug unser fünf eingeladenen Produktionen darauf verkürzt worden, dass es nur 150€ Abendgage für die Performer_innen gibt. Der Grund für unsere Absage und deren Veröffentlichung ist jedoch in erster Linie die Diskrepanz zwischen dem Anspruch des Festivals, „den prekären Arbeitsbedingungen einen Riegel vorzuschieben“ und einer Wiederaufnahmepauschale von 100 – 300€ (je nach Anzahl der Beteiligten) und einer Administrationspauschale von 100€ pro Produktion für meist 2-5 Tage Wideraufnahmeproben. Das vom Dachverband freie Theaterschaffender initiiertes Festival unterschreitet damit die vom Dachverband selbst geforderte Lohnuntergrenze von 500€/Woche bei weitem. Wir haben uns dagegen entschieden, das Festival in dieser Konzeption durch unsere Aufführungen zu unterstützen. Denn niemand wird uns angemessen bezahlen, wenn wir es selbst nicht tun!

Es gibt seit Jahren zahlreiche klug argumentierte Anaysen und Forderungen zum Fehlen von Finanzierung, Förderstrukturen und Anerkennung künstlerischer Arbeit – siehe Potentialanalyse, Report Darstellende Künste, Lohnuntergrenze des LAFT oder art but fair. Wir möchten durch unsere Absage diese Debatte unterstützen, aber von den gebetsmühlenartigen Diskussionen (in denen wir uns dann meist einig sind, dass sich etwas ändern muss) in die Praxis übersetzen: Mangel darstellen, Leerstelle im Spielplan sein. 

Zudem wird in einem Artikel des Abendblatts vom 14.3. zu „Hauptsache frei“ den meisten beteiligten Produktionen ungefragt in den Mund gelegt, sie fänden die Bedingungen des Festival „schon fairer als früher“. Das mag für einige zutreffen – aber genauso wurden von anderen Künstler_innen Gagen nachverhandelt und es wurde mit uns auch über Zweifel an der Teilnahme gesprochen.

Wir freuen uns, dass Vertreter_innen unserer Initiative „Hauptsache dabei?“ zu  unterschiedlichen Diskussionen und AGs eingeladen sind (Dies ist absurderweise besser bezahlt, als es unsere künstlerische Teilnahme am Festival gewesen wäre.). Wir werden in den Diskussionen dafür eintreten, dass ein vom Dachverband freier Theaterschaffender initiiertes Festival der freien Szene in Hamburg zukünftig die Chance ergreift, glaubhafte, finanzielle Standarts zu setzten und dadurch die Honorierung künstlerischer Arbeit im Rahmne der eingeladenen Produktionen an erste Stelle stellt. Denn eine Stärkung der freien Szene bedeutet zu aller erst, von seiner Arbeit leben zu können und sie zeigen zu können. Wir hoffen, dass durch unsere öffentliche Absage dazu ermutigt wird, sich tatsächlich anders zu prekären Arbeitsbedingungen zu verhalten, statt diese immer wieder ins Diskursive zu verschieben.

Wir freuen uns über Unterstützung und Austausch:

DISKURS #2: QUALITÄT HONORIEREN – EINE ZUKUNFTSVISION (Do, 16.4., 13:30 Uhr) 
FREIRAUM #3: AG RAUM (Fr, 17.4., 10 Uhr)
DISKURS #4: WAS KANN UND SOLL EIN FESTIVAL DER FREIEN SZENE LEISTEN? (Sa, 18.4., 11 Uhr)
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